Die Eroberung einer Friedensfestung: Wie Rheinmetall Dortmund infiltriert Dortmund- bekannt als Stadt der Friedenskultur und der Arbeiterbewegung

Diese Identitat ist tief in der Geschichte der Stadt verwurzelt; sei es durch die Vertretung der Stadt beim Westfälischen Frieden 1648 oder die Pragung durch Bergarbeiter und Industriearbeiter vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, die eine Kultur der Solidaritat und des Antimilitarismus schufen. Selbst wahrend der Balkankriege und der Bombardierung Jugoslawiens durch die NATO erhob Dortmund seine Stimme für den Frieden. Doch in den letzten Jahren, parallel zum Rechtsruck in der deutschen Politik, gerät diese einst so stabile Friedensbastion unter einen beispiellosen Ansturm der Kriegsbefürworter.

Schwächen in den eigenen Reihen: Die Ursachen der Verwundbarkeit Die widersprüchliche Haltung des ehemaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz zu Krieg und Frieden sowie die offen kriegerische Rhetorik des neuen SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil rissen die ersten Breschen in die Mauern der Festung. Dies war jedoch nur ein Teil des Problems. Die tiefe wirtschaftliche Krise der Stadt, verursacht durch das Wegbrechen des Bergbaus und der Stahlindustrie und dem Wegfall von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen, machte Dortmund verwundbar. Hinzu kam der Wandel der Grünen von einer pazifistischen Partei zu einer treibenden Kraft der Aufrüstungspolitik (Zeitenwende), der die letzten ideologischen Schutzschilde der Stadt einriss. Eine geschwächte und schutzlose Stadt war bereit für die „Invasion“.

Die erste Invasion: Der Kauf eines Symbols – 20 Millionen Euro für das Herz der Stadt Der erste Angriff erfolgte nicht mit Panzern, sondern mit Schecks. Der Rüstungskonzern Rheinmetall drang durch den Kauf von Werbeanteilen am Fußballverein Borussia Dortmund (BVB) im Wert von rund 20 Millionen Euro ins kulturelle Herz der Stadt ein. Dieser ab der Saison 2024/25 geltende Dreijahresvertrag rief heftige Reaktionen der Fans hervor. Mit Plakaten wie „Profit first, Values second“ und Protestaktionen (z.B. ein Papp-Panzer) verurteilten sie diese Partnerschaft als „Kauf des Vereins durch die Todesindustrie“.

Fakt: Der Widerstand der Vereinsbasis Auf der Mitgliederversammlung des BVB im November 2024 forderten die Mitglieder mit einer deutlichen Mehrheit von 65 Prozent (556 von 855 Stimmen) die Auflösung des Vertrags, da er gegen die eigene Vereinssatzung verstoße. Die Geschaftsführung um Hans-Joachim Watzke (CDU-Mitglied und Merz-Freund) ignorierte diese jedoch mit Verweis auf die schwierige finanzielle Lage des Klubs.

Die zweite Invasion: Die Eroberung der Legislative – Der Antrag im Stadtrat Der nächste Schritt führte in die lokale Politik. CDU und Grüne brachten einen Antrag in den Stadtrat ein, der zwar keine Mehrheit fand, aber seine Wirkung nicht verfehlte. Als Reaktion verfassten SPD und Linke einen Friedensappell, doch diese defensive Haltung konnte den Vormarsch des neuen Diskurses nicht aufhalten. Die Übereinstimmung des kriegerischen Antrags mit der Aufrüstungspolitik der Bundesregierung sate Zweifel in den Kopfen vieler.

Die dritte Invasion: Die Eroberung der Exekutive – Die Oberbürgermeisterwahl Die Kommunal- und Oberbürgermeisterwahlen wurden zum entscheidenden Wendepunkt. Plötzlich flossen enorme, undurchsichtige Geldsummen in die Wahlkämpfe. Nur ein einziger großer Geldgeber konnte derartige Summen (mehrere Hunderttausend Euro) bereitstellen. Die einzige große Tageszeitung der Stadt, die Ruhr Nachrichten, spielte dabei eine Schlüsselrolle. Indem sie einen unbekannten „unabhängigen“ Kandidaten aufbaute, spaltete sie die Stimmen der Friedensbewegung und verhinderte so den Erstrundensieg des friedensorientierten SPD-Kandidaten.

In der Stichwahl, die nur noch eine Wahlbeteiligung von 36 Prozent verzeichnete, unterstützte die Zeitung gezielt den CDU-Kandidaten. Die Friedensanhänger, enttäuscht von der Bundespolitik, blieben zu Hause. So gewann der CDU-Kandidat mit knapp über der Halfte dieser wenigen Stimmen – was gerade einmal 18,8 Prozent der Wahlberechtigten entspricht. Der neue Oberbürgermeister erwähnte in seiner ersten Rede vor dem Rat kein einziges Mal das Wort „Frieden“.

Analyse: Die Rolle der Medien bei der Eroberung Seit diesem Sieg verfolgen die Ruhr Nachrichten offen diese neue Linie. In den letzten Monaten öffnete sie ihre Seiten vermehrt für Artikel, die die Aufrüstung in Europa preisen und die Notwendigkeit von Militarismus betonen. Dieser Wandel zeigt die vollständige Ausrichtung des Blatts auf das Projekt der „Normalisierung“ von Aufrüstung – dasselbe Projekt, das Rheinmetall mit seiner finanziellen Unterstutzung des Fußballvereins begonnen hat.

Fazit: Eine Stadt im Belagerungszustand Wir beobachten, wie ein militärisch-industrieller Konzern wie Rheinmetall Schritt fur Schritt den politischen und kulturellen Raum der Stadt Dortmund erobert. Die Eroberung begann mit einem Sponsoringvertrag im Stadion, setzte sich mit der Verschiebung des Diskurses im Stadtrat fort und erreichte ihren Höhepunkt mit der Besetzung des Oberbürgermeisteramts durch eine gezielte Medien-und Geld-Operation. Wenn sich diesem organisierten Vormarsch keine zivilgesellschaftliche oder politische Kraft entschlossen entgegenstellt, werden bald alle Institutionen der Stadtverwaltung zu Bastionen der Aufrüstungspolitik umfunktioniert. Dortmund, einst ein Symbol der Arbeiter- und Friedensbewegung, ist heute eine Warnung für alle Städte Europas.

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